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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Europa braucht eine Seele

23. Jun 2019

pax christi – Wallfahrt zu einer aktuellen Problematik von Solln entlang des Isar Hochufers nach Pullach

„Europa braucht eine Seele“ - dieser Aufruf von Jaques Delors, einem der Väter der EU, war das Leitwort unserer diesjährigen Wallfahrt von Solln nach Pullach.

Kurz nach den Wahlen zum Europäischen Parlament wollten wir deutlich machen, dass „Europa“ mehr ist als die aktuellen Diskussionen um den Präsidenten der Europäischen Kommission, den Brexit, die Frage nach gemeinsamen Außengrenzen und weitere aktuelle Probleme in der Europäischen Union. Dazu nochmal ein Satz von Jaques Delors: „Niemand verliebt sich in einen Binnenmarkt“.

Mit einem Gebet von Kardinal Carlo Martini stimmte uns unser Geistlicher Beirat auf das Leitwort ein.

Bei der Statio in der Dreifaltigkeitskirche in Großhesselohe zitierte Gabi Hilz aus einer Vision von Jürgen Grässlin, damit Europa wirklich ein Friedensprojekt wird:

„Unser Europa setzt auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und eine freie Presse – gegen Entdemokratisierung, Rechtsbruch und Wahrheitsverfälschung.

Unser Europa kümmert sich um Menschen in Not – in Europa und an den Außengrenzen unseres Kontinents.

Unser Europa kümmert sich um die sozial Schwachen – und sichert soziale Mindeststandards auf einem menschenwürdigen Niveau.

Unser Europa setzt Inklusion für Behinderte auf allen Ebenen um – vorbei die Zeit, da Menschen mit Handicaps ausgegrenzt wurden.“

Ein weiteres Zitat wird Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben: „Europa entstand auf dem Weg nach Santiago. Und seine Sprache ist das Christentum.“ Aufgrund eigener Beobachtungen und Erlebnisse auf dem Jakobsweg versuchte ich, einen Eindruck zu vermitteln, wie dieser Pilgerweg seit mehr als 1200 Jahren zu einem europäischen Bewusstsein beigetragen hat: Menschen aus allen Teilen Europas gingen gemeinsam und in friedlicher Absicht zu einem Ziel – Bauhandwerker lernten die die französische und spanische Gotik kennen und trugen sie in ihre Heimatländer weiter – religiöse Darstellungen verbreiteten sich: so wurde der Heilige Jakobus als „Maurentöter“ während der Türkenkriege auch bei uns angerufen. Auch manche Heilige fanden ihren Weg in andere Teile Europas: Die Heilige Radegund, die wir vom Heimatort von Franz Jägerstätter her kennen, ist auch Stadtpatronin von Poitiers. Oder Ste. Foy, deren Reliquien in Conques, im französische Zentralmassiv, verehrt werden, finden wir bei uns als Heilige Fides oder in Bamberg als Sankt Getreu.

Nach der Statio führte uns der Weiterweg am Isarhochufer entlang nach Pullach. Dort konnten wir einige pax christi – Mitglieder begrüßen, die zum Abschlussgottesdienst in die Alte Hl.- Geist-Kirche gekommen waren.

In seiner Ansprache griff unser Geistlicher Beirat nochmal das Leitwort „Europa braucht eine Seele“ auf und stellte fest:

„Obwohl es der christlichen Botschaft sehr viel verdankt, scheint Europa über seine christlichen Wurzeln zu stolpern. Angesichts der drängenden Flüchtlingsfrage, einer unfairen Handelspolitik, einer geplanten militärischen Stärkung, der Bedrohung von Demokratie und Recht durch National-ismus und Rechtsextremismus – angesichts eines Mangels an sozialer Gerechtigkeit und Solida-rität, der Zerstörung des Klimas sowie einer verbreiteten Angst und Orientierungslosigkeit zahl-reicher Bürger, scheint Europa in Gefahr zu geraten, seine Seele zu verlieren.

Können die christlichen Kirchen hier Abhilfe leisten? Können wir Christen konkret dazu beitragen, dass sich Europa auf seine alten kulturellen und religiösen Quellen nun besinnt – und dadurch seine Seele wieder findet?“

Einen Hinweis fand Charles Borg-Manchè in der Apostelgeschichte (16.8-15), die davon berichtet, dass Paulus durch einen Traum eingeladen wurde, von Kleinasien nach Mazedonien, also nach Europa, zu reisen. Dort traf er die Purpurhändlerin Lydia, die „seinen Worten aufmerksam lauschte“, sich taufen ließ und so zur ersten Christin Europas wurde. Solche prophetische Menschen brauchen wir auch heute für das „Friedensprojekt Europa“, das „auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, auf Solidarität und Menschenrechte, auf Freiheit der Medien und Aufrichtigkeit in den sozialen Netzwerken fest baut“.

Und er schloss mit einer Ermutigung: „Zu diesen prophetischen Menschen zähle ich auch uns als Mitglieder der Pax Christi Bewegung – als Christen, die Jesu Botschaft ernst nehmen und die Zeichen unserer Zeit erkennen, sie im Licht des Evangeliums deuten und entsprechend glaubwürdig handeln. Dazu wünsche ich uns allen viel innere Kraft, Wagemut, einen langen Atem und vor allem ein starkes Gottvertrauen!“

Wie es zu einer richtigen Wallfahrt gehört, trafen wir uns anschließend zum Mittagessen und ließen den Tag bei guten Gesprächen und einem ebenso guten Essen ausklingen.

Text: Rosemarie Wechsler

Die vollständige Ansprache von Charles-Borg-Manché im Gottesdienst (download).


 

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