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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Eingedenken ist mehr als Erinnern

08. Mai 2020

Impuls zum 75. Jahrestag vom Ende des 2. Weltkriegs – 8. Mai 2020

Zur Einleitung:

Heute begehen wir den 75. Jahrestag vom Ende des 2. Weltkriegs. In seiner historischen Rede zum 40. Jahrestag am 8. Mai 1985 sagte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverach­tenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Niemand wird um dieser Be­freiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Be­ginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte.“

Inzwischen leben in unserem Land ganz wenige Menschen, die den 2. Weltkrieg selbst erlebt und seine verheerenden Folgen mit erlitten haben. Weitaus größer ist die Zahl derer, die diesen Krieg nur vom Hörensagen kennen. Und doch tragen wir alle heute Verantwortung für das, was in der Geschichte daraus wird – so Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede. Jede und jeder von uns steht also in der Verantwortung für eine Gegenwart und Zukunft in Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität mit den Mitmensch-en und mit der Schöpfung. 

Ein erster Schritt dazu besteht in unserem Umgang mit der Sprache. Es wird heutzutage fast immer vom Ausbruch eines Krieges gesprochen. Dabei wissen wir, dass Kriege nicht einfach wie eine Naturkatastrophe ausbrechen, sondern vielmehr von Menschen entfesselt werden. Auch der 2. Weltkrieg ist nicht einfach ausgebrochen oder gar dem deutschen Volk aufgezwungen worden – wie es Manche damals ausdrückten – sondern dieser grausame Krieg wurde von Hitler und der Naziführung bewusst geplant, kaltblütig vorbereitet, mit Lügen gerechtfertigt und brutal ausgelöst – und zwar mit der Duldung und teilweise Zustimmung der Mehrheit der deutschen Bevölkerung.

Zur Übernahme von Verantwortung ist es unentbehrlich, dass die Erinnerung an damals nie abreißt – das ist gerade in dieser Zeit von erstarktem Populismus und Rassismus besonders wichtig. Denn Erinnerung hält unsere Sehnsucht nach Frieden stets wach. Daraus können Einsicht, Mut und Engagement für eine weltweite, gerechte und gewaltfreie Friedensordnung erwachsen. Darüber wollen wir in dieser Gedenkstunde nachdenken und für Frieden in der Welt gemeinsam beten. 


Doch zu Beginn lasst uns zunächst zum Quell des Friedens rufen:

Herr Jesus Christus, du unser Bruder!

  • Du hast all jene seliggepriesen, die keine Gewalt anwenden und Frieden stiften.
  • Du forderst uns auf, unsere Feinde zu lieben.
  • Du selbst bist unser Schalom und unsere Versöhnung. 


GEBET 

Gott, Du Quelle des Friedens!

Heute erinnern wir uns an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren  –

mit den Millionen Toten und Ermordeten und dem unermesslichen Leid,

das der Menschheit zugefügt wurde.

 

Lass nicht zu, dass wir je der Versuchung bequemen Vergessens erliegen.

Schärfe vielmehr unser Gedächtnis,

damit unsere Erinnerung an die damaligen Schrecken uns heute

zum verantwortlichen Handeln für eine friedvolle, gerechte und gewaltfreie Welt anspornt.

 

Stärke unseren Mut, jeder Form von Unrecht und Unfrieden Widerstand zu leisten

und schenke uns Kraft, den Unterdrückten und Entrechteten unserer Zeit beizustehen.

 

Darum bitten wir dich durch Christus Jesus, deinen Sohn, unseren Bruder,

der mit dir lebt und mit uns geht – heute und alle Tage unseres Lebens.

Amen.


LESUNG AUS DEM BUCH JESAJA (Jes 2, 1-4)

Das Wort das Jesaja, Sohn des Amoz,

in einer Vision über Juda und Jerusalem geschaut hat:

 

Am Ende der Tage wird es geschehen:
Da wird der Berg des Hauses Jahwes festgegründet stehen an der Spitze der Berge

und erhaben sein über die Hügel.

Zu ihm werden alle fremden Völker strömen.
Dorthin pilgern viele Nationen und sagen:

Auf, lasst uns hinaufziehen zum Berg Jahwes, zum Haus des Gottes Jakobs.

 

Er lehre uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir wandeln.

Denn von Zion wird ausgehen die Weisung und das Wort Jahwes von Jerusalem.

Er wird Recht sprechen zwischen den Völkern und er wird richten zwischen vielen Nationen.

 

Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und

ihre Lanzen zu Winzermessern umschmieden.

Nie mehr wird Volk gegen Volk zum Schwert greifen,

und niemand mehr wird das Kriegshandwerk lernen.

 


Gedanken zum Jahrestag:

Am 1. September 1939 – heute vor 80 Jahren – griff die deutsche Wehrmacht mit ihren See-, Luft- und Bodenstreitkräften das Nachbarland Polen ohne Vorwarnung oder Kriegserklärung an. Damit entfesselte Nazi-Deutschland den 2. Weltkrieg, der von Anfang an als Eroberungs- und Vernichtungskrieg geplant wurde. In den folgenden 6 Jahren brachte dieser Krieg den Menschen Europas sowie anderer Erdteile unvor-stellbares Leid, Elend und Tod. Davon zeugen etwa 65 Millionen Kriegsopfer – gefallene Soldaten, durch Bodenoffensiven und Luftangriffe getötete Zivilisten, unzählige Gemordete, unter ihnen 6 Millionen Juden. Dazu kommen über 30 Millionen Flüchtlinge, zwangsweise Umgesiedelte und Vertriebene in Europa sowie die völlige Zerstörung zahlreicher Städte und Landschaften.

 

Die Folgen dieser Schreckenszeit dauerten nach Kriegsende lange an und erschüttern zum Teil die Welt noch heute. Europa wurde geteilt. Polen verlor seine Ostgebiete und wurde nach Westen verschoben. Auch Deutschland verlor seine Ostgebiete und wurde anschließend geteilt – eine Teilung, die 40 Jahre lang ange-dauert hat. Der inzwischen entstandene sogenannte „kalte Krieg“ löste eine wahnsinnige Rüstungsspirale von atomaren Waffen in Ost und West aus, die leider gerade wieder belebt wird. Kurz nach Kriegsende wurden auf Initiative französischer Christen durch die Gründung der Pax Christi Bewegung die ersten Schritte der Versöhnung mit dem alten Feind Frankreich gewagt. Viel länger dauerte es, bis die Versöhnung des deutschen Volkes mit den überfallenen polnischen Nachbarn in Gang kommen konnte – auch daran war Pax Christi stark beteiligt. 

 

Um unsere Verantwortung für Frieden und Gerechtigkeit heute wahr- und ernst zu nehmen, ist es not-wendig, den Geist der Erinnerung, des geschichtlichen Eingedenkens in unserem Land und in Europa stets lebendig zu erhalten – und zwar über solche Jahrestage hinaus. Denn ohne die Fähigkeit zur Erinnerung können wir weder die Gegenwart begreifen noch die Zukunft gestalten. Doch dieses Sich-Erinnern ist kein bloßes Zurückdenken oder gar eine Bewältigung der Vergangenheit. Denn diese lässt sich weder bewältigen noch verdrängen. Eingedenken ist eben mehr als Erinnern. Unter die Vergangenheit können wir auch keinen Schlussstrich ziehen, wie manche Politiker gemeint haben. Das Vergangene ist nie tot – es lebt in den Gedanken und Seelen der Menschen immer wieder auf. Daher heißt Eingedenken: Des Geschichtlichen innezuwerden, das Vergangene auf uns und unser Bewusstsein heute einwirken zu lassen, um daraus zu lernen und die Zukunft gemeinsam gestalten zu können.  

 

Unmittelbar nach dem Krieg ertönte überall der Ruf: „Nie wieder Krieg!“  Diese Sehnsucht der Menschen wurde im Oktober 1945 sogar in die Charta der Vereinten Nationen verbindlich aufgenommen. Doch sie wurde von den Mitgliedern der Weltgemeinschaft – mit ein paar Ausnahmen – leider nie wirklich erfüllt. Trotz mancher Erfolge – wie die Versöhnung Deutschlands mit Frankreich und Polen, die gewaltfreie friedliche Revolution in der DDR, der Fall der Berliner Mauer und des „Eisernen Vorhangs“ oder die Überwindung des Apartheid-Systems in Südafrika – gab es seit 1945 keinen Tag ohne Krieg auf der Welt. In den letzten 75 Jahren wurden etwa 250 Kriege, Bürgerkriege und gewalttätige Aufstände weltweit gezählt – die überwiegende Mehrheit davon in den Entwicklungsländern.

Angesichts der grausamen Kriegsberichte ist die Versuchung sehr groß, militärisch kraftvoll dreinschlagen zu wollen. Denn unser Herz schreit danach, das Morden möglichst schnell zu beenden – was leider nicht geht, schon gar nicht mit Gewalt. Wer sich aber in dieser Situation immer noch zum gewaltfreien Handeln bekennt – wie unsere Pax-Christi-Bewegung – hat da einen schweren Stand. Denn er wird oft für naiv und weltfremd, ja für zynisch und menschenverachtend gehalten. Und dennoch hat sich für uns Christen der Vorrang für Gewaltfreiheit durch aktuelle mörderische Gewaltakte nicht einfach überholt. Denn wo Gerechtigkeit, Menschenwürde und Minderheitenschutz mit Füßen getreten werden, kann auch mit Gewalt kein Friede ge-schaffen werden. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte lehren uns auch, dass gewaltsames militärisches Eingreifen nicht zu einem verlässlichen Frieden geführt hat – weder im Irak noch in Afghanistan, auch nicht in Libyen oder im Nahen Osten. Im Übrigen hat eine neuere Studie aufgezeigt, dass gewaltfreie Aufstände fast doppelt so erfolgreich sind wie bewaffnete.

 

Die Vision des Propheten Jesaja: Nie mehr wird Volk gegen Volk zum Schwert greifen, und niemand mehr wird das Kriegshandwerk lernen,“  ist also immer noch sehr aktuell. Jesus selbst hat sie in seiner Bergpredigt bestätigt und selbst danach gehandelt. Er lädt uns auch heute ein zu seinem Weg des gewaltfreien Handelns – ein Weg, der nicht verordnet werden kann, sondern durch innere Überzeugung und regelmäßiges Üben in allen Lebenssituationen langsam wachsen und erfahren werden muss – in Familie und Gesellschaft, am Arbeitsplatz, in Politik und Kirche. Dazu wünsche ich uns allen am heutigen Gedenktag viel Mut, Kraft und Gottvertrauen – damit wir in unserem Alltag als „Handwerkerinnen und Handwerker des Friedens“ (Papst Franziskus) leben und handeln – damit wir im Geiste der Bergpredigt in unserer Welt immer wieder Zeichen der Gewaltfreiheit setzen können – damit wir zu den Seliggepriesenen gehören, die keine Gewalt anwenden und stets den Frieden stiften.

Pfr. Charles Borg-Manché, Geistl. Beirat Pax Christi München 


FÜRBITTEN

 

Barmherziger Gott, im Gedenken an den Zweiten Weltkrieg und in Sorge um die aktuellen politischen Konflikte bitten wir um Versöhnung und Frieden für diese Welt. Zu dir rufen wir:

 

RUF: Du Gott des Friedens – Wir bitten dich, erhöre uns!


  1. Heute, 75 Jahren seit Ende des Zweiten Weltkriegs, durch den unser Land ungeheure Schuld auf sich geladen hat, bitten wir dich, Gott,  um Vergebung für die vielen unschuldigen Toten
    und für Alle, die unter den Kriegsfolgen gelitten haben und noch leiden.
  2. Wir beten für alle Menschen, die nicht in Frieden und Sicherheit leben können
    und für die Vielen, die vor Krieg und Gewalt fliehen müssen.
    Wir beten besonders für die Menschen in Israel und Palästina,
    in Syrien und im Irak, im Jemen, in Zentralafrika und in der Ukraine,
    dass sie die Hoffnung nicht verlieren.
  3. Wir beten für die vielen Frauen und Männer, die sich für Frieden und Versöhnung weltweit einsetzen,
    und für uns alle, dass wir mit Ehrfurcht vor der Würde eines jeden Menschen,
    mit Achtung vor allen Völkern, Religionen und Nationen und mit Dankbarkeit
    für das Geschenk deiner Schöpfung erfüllt werden.
  4. Wir beten Für Alle, die Angst vor der Zukunft bekommen haben: Dass sie Menschen erleben, die ihnen zuhören und in ihren Ängsten beistehen.
  5. Für die Völker, die besonders schwer von der Ausbreitung des Corona-Virus betroffen sind: Dass sie Solidarität und Hoffnung erfahren.
  6. Für alle getöteten Zivilisten und gefallenen Soldaten des 2. Weltkriegs sowie der gegenwärtigen Kriege: Dass sie die Freude des ewigen Lebens bei dir genießen.

Unsere Fürbitten fassen wir nun zusammen in dem Gebet, das uns Jesus anvertraut hat:

 VATER UNSER im Himmel…..


SEGEN

 

Der gütige Gott schärfe unsere Augen,

dass wir sehen, wo Hilfe notwendig ist.

 

Er schärfe unsere Ohren,

dass wir wahrnehmen,

wo Menschen sich im Ton vergreifen

und Andere verletzen.

 

Er mache unsere Nasen empfindlich,

dass wir Gestank und Duft unterscheiden lernen.

 

Er verwöhne unsere Gaumen,

dass wir Gutes genießen können.

 

Er stärke unsere Arme,

dass wir kräftig zupacken,

wo unsere Solidarität gefragt ist.

 

Er führe unsere Schritte,

dass wir den Weg des Friedens und der Gerechtigkeit

suchen und wagen.

 

Das gewähre uns der treue und barmherzige Gott  –

Der + Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen. 



WORT ZUR VERABSCHIEDUNG

 

„Gedenkt!

Erinnert nicht nur!

Erinnerung atmet flach.

Gedächtnis atmet tief.

Erinnerung spielt sentimental.

Gedenken arbeitet schwer

und ist ein Werk des Glaubens, der weiß:

Vergangenheit ist nie vergangen,

Tote sind nicht nur tot.

In unserm Haus wohnt das Gestern

und unsere Zukunft braucht ein langes Gedächtnis.“ 


(leicht veränderter Textausschnitt aus der Ansprache von Peter Beier, ehem. Präses der Evang. Kirche im Rheinland, an der Todesmauer in Auschwitz am 20.4.1993)

 

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