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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Gedenken an 70 Jahre pax christi

08. Mai 2018

Die deutsche pax christi Sektion feiert in diesem Jahr ihr 70 jähriges Bestehen. Im Friedensgottesdienst in St. Bonifaz am 8.Mai gedachten wir der vergangenen 70 Jahre.

aus der Predigt von Charles Borg-Manchè (die vollständige Predigt zum Download hier):
 

Im Jahre 1944 war Pierre Marie Théas, Bischof von Lourdes, Gefangener der Gestapo in einem französischen Sammellager. In einer Predigt über Feindesliebe legte er seinen Mitgefangenen die Vater-Unser-Bitte aus: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Der Bischof bestand darauf, dass sich seine auf den Abtransport nach Deutschland wartenden Mitgefangenen trotz aller Peinigungen durch die Deutschen auf dieses Vergeben einließen. Da kam die Verbitterung seiner Zuhörer hoch: „Wir sollen den Deutschen verzeihen? Was Sie da sagen, ist unmöglich! Das Evangelium ist furchtbar!“ Als dann die Gefangenen zum Abtransport nach Buchenwald zusammengetrieben wurden, fragten sie den Bischof ganz verzweifelt: „Wo ist jetzt Ihr Gott, Monseigneur?“ Darauf seine Antwort: „Trotz allem müsst ihr mit dem Segen über den Rhein gehen und nicht mit einem Fluch auf den Lippen!“ So begann die Geschichte von Pax Christi – in einem Gefängnis, einem Ort der Verzweiflung und des Leidens. 

Als Monate später, im März 1945 die französischen Kriegsgefangenen aus Deutschland zurückkehrten, wuchs der Wunsch, den Teufelskreis von Hass und Vergeltung zwischen beiden Völkern endlich zu durchbrechen und für Versöhnung einzutreten. Madame Dortel-Chandot, Professorin am Lyzeum, hatte bereits im Winter davor eine „Gebetskampagne“ für Deutschland angeregt. Bischof Théas sah darin einen Weg, den Versöhnungs- und Friedensgedanken aufzunehmen. So wurde 1945 der Grundstein gelegt für eine internationale Bewegung, die sich den Namen „Pax Christi“ gab. Damals unterschrieben 40 französische Bischofe den Aufruf zum „Gebetskreuzzug für den Frieden der Welt“. 

Drei Jahre später kam Bischof Théas an der Spitze einer französischen Delegation zum internationalen katholischen Friedenskongress nach Kevelaer. Auf der Großkundgebung verkündete er: „Ich bringe euch den Bruderkuss des christlichen Frankreichs – den Kuss der Versöhnung!“ Diese Botschaft gab einigen deutschen Kongressteilnehmern Mut und Zuversicht, darauf mit einer konkreten Tat zu antworten. So wurde in Kevelaer am 3. April 1948 Pax Christi Deutschland gegründet. Dieses Datum ist für die ganze katholische Kirche in unserem Land bis heute von großer Bedeutung. Denn Pax Christi war damals vor 70 Jahren die erste umfassende Bewegung, die der Verpflichtung der deutschen Kirche zu Versöhnung und Frieden öffentlich Ausdruck gab. 

Im Laufe der Jahre beschritt die deutsche Sektion von Pax Christi ihren weiteren Weg nach dem Leitwort der Internationalen Bewegung: „Gebet – Studium – Aktion.“ Im Sinne des Grundgedankens der Versöhnung zwischen den Völkern war diese Einheit zwischen Beten, Forschen und Handeln für den Frieden entscheidend. Das wurde immer deutlicher bei den Pax Christi Pilgerfahrten im Zeichen der Sühne für deutsche Schuld – zuerst nach Frankreich, später nach Polen, Israel und in die ehemalige Sowjetunion. An der Versöhnung zwischen Polen und Deutschen war unsere Bewegung wesentlich beteiligt – aus dieser Friedensarbeit ging dann auch das Maximilian-Kolbe-Werk hervor. Den unmittelbaren Zusammenhang von Frieden und Gerechtigkeit zeigte Pax Christi auf durch eine Spendenkampagne für die Hungernden der Welt – damit gab sie den Anstoß zur Gründung des Hilfswerks „Misereor“ vor 60 Jahren. 

Die Grundgedanken der kirchlichen Dokumente „Pacem in terris“, „Gaudium et spes“ und später im Beschluss der Würzburger Synode „Entwicklung und Frieden“  haben dann die Pax Christi Gruppen und Mitglieder dazu ermutigt, sich auf der Grundlage des christlichen Glaubens politisch stärker zu engagieren – für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung, gegen Kriege und Waffenexporte, für Abrüstung und gewaltfreies Handeln und gegen atomare Aufrüstung, für Menschenwürde und Menschenrechte sowie für eine stärkere und umfassende Friedensbildung in unserer Gesellschaft. 

Ein zentrales Anliegen von Pax Christi war und ist immer noch eine friedliche, gewaltfreie, gerechte und dauerhafte Lösung des jahrzehntelangen kriegerischen Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern. Dabei ist unsere bewusste Erinnerung an eigene und fremde Geschichte sowie die Wahrnehmung der jüdischen Wurzeln unseres christlichen Glaubens von entscheidender Bedeutung.

Angesichts der politischen Entwicklungen in Deutschland und in ganz Europa während der letzten 30 Jahre entdeckte Pax Christi neue Herausforderungen und notwendig gewordene Wege der Friedensarbeit – im Bereich der Asyl- und Flüchtlingsarbeit, aber vor allem auch auf dem Feld von Krisenprävention und friedlicher Konfliktbewältigung. Ein weiteres Betätigungsfeld für unser Engagement ist die interreligiöse Versöhnungsarbeit. Dabei sind die Achtung vor dem Anderssein der verschiedenen Religionen sowie der Widerstand gegen jeden Missbrauch von Religion zur Rechtfertigung von Gewalt und Diskriminierung gegen Menschen unverzichtbare Voraussetzungen.

Für uns und für die Kirche bleibt Pax Christi, der Friede Christi eine lebendige Hoffnung und ermutigende Vision für die Zukunft der Menschheit – eine Vision, die eines Tages Wirklichkeit werden wird. Dafür brauchen wir aber mehr Menschen, die sich unserer Bewegung anschließen und von dieser Friedensvision anstecken lassen. Wir brauchen viele Menschen, die sich vom Traum Gottes einer neuen Welt des Friedens und der Gerechtigkeit bewegen lassen. Als Bewegung lebt Pax Christi von Bewegten – d.h. von Menschen, die ihrerseits Andere anstecken und bewegen wollen.

Wir sollten uns nicht vom Zustand der Welt überwältigen und uns nicht davon abbringen lassen, etwas zu tun, um die Welt zu verändern. Gandhi war immer der Überzeugung, dass die kleinen Veränderungen letzten Endes die entscheidenden sind. (Arun Gandhi, ein Enkel Mahatma Gandhis)

Heute im 70. Jubiläumsjahr unserer Bewegung wünsche ich uns allen, dass wir uns von dieser Überzeugung Gandhis anspornen lassen und viele Andere damit anstecken!


Die vollständig Predigt im Downloadbereich
 

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