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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Hiroshimagedenken 2018

07. Aug 2018

Auch in diesem Jahr wurde an vielen Orten des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki gedacht. Neben Erding, Fürstenfeldbruck, München auch in Gilching.

Hier hatte die örtliche pax christi Gruppe erst zu einem Gottesdienst am Sonntag vor dem Gendenktag und dann zu einem Gedenken am Abend des 6. Augustes dem Tag, an dem die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen wurde, eingeladen.

Den Gottesdienst in Gilching hielt Charles Borg Manché, geistlicher Beirat von pax christi in der Erzdiözese München und Freising.

Seine Predigt begann er mit einem Zitat einer Rede des US-Generals Omar Bradley zum 30. Gedenktag des Waffenstillstands am Ende des Ersten Weltkriegs vor 70 Jahren als ein Zeuge der verheerenden Folgen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki:

„Wir leben im Zeitalter der nuklearen Riesen und der ethischen Zwerge – in einer Welt, die Brillanz ohne Gewissen erreicht hat. Wir haben die Geheimnisse des Atoms entschleiert und die Lehren der Bergpredigt abgelehnt. Wir wissen mehr über den Krieg als über den Frieden und mehr über das Töten als über das Leben. Wenn wir weiterhin unsere Technologie ohne Weisheit oder Vernunft fortentwickeln, könnte dies unser Todesurteil bedeuten.“

Borg-Manché verwies darauf, dass diese Worte auch heute noch brandaktuell sind: Die Modernisierung der Atomwaffen mache heute einen Atomkrieg wieder wahrscheinlicher. Und statt abzurüsten, wie sie selbst im Atomwaffensperrvertrag versprochen haben, würden die Atommächte dafür mit Milliardenbeträgen aufrüsten. Viele Banken, Pensionsfonds und Versicherungen fänden hier eine lukrative Geldanlage. Die Deutsche Bank wolle nun auf öffentlichen Druck von derartigen Geschäften Abstand nehmen.

Wie viele Menschen setze sich auch der Papst für ein weltweites Verbot von Atomwaffen ein. In einer Konferenz im letzten November unter dem Titel “Perspektiven für eine atomwaffenfreie Welt“ sagte er, so Borg-Manché:

 „Denken wir an die katastrophalen Folgen und die Konsequenzen für die Umwelt, die jeder Einsatz von Kernwaffen mit sich bringt, dann können wir nicht anders als große Sorge zu empfinden. Daher sind die Androhung ihres Einsatzes sowie ihr Besitz entschieden zu verurteilen. Atomare Menschenvernichtungswaffen vermitteln lediglich ein trügerisches Gefühl von Sicherheit und können nicht die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben der Glieder der Menschheitsfamilie sein, das dagegen inspiriert sein muss von einer Ethik der Solidarität.“ Franziskus drückte auch seine Freude aus über das Zustandekommen eines Atomwaffenverbotsvertrags durch die UNO, den er ein Licht der Hoffnung in unserer chaotischen Welt nannte.

Viele Menschen heute, insbesondere die politisch Mächtigen, hielten die Vision einer vollständigen Abrüstung und Vernichtung der Atomwaffen für völlig naiv und weltfremd. Hier verwies Borg-Manché auf Pastor Renke Brahms, Friedensbeauftragter der ‚Evangelischen Kirche Deutschlands, der diesen Skeptikern vor einem Monat am Atomwaffenlager Büchel Folgendes entgegen hielt: „Wie naiv ist das denn? Zu meinen, die Welt würde friedlicher, wenn Feindbilder geschürt, Machthaber und Religionen dämonisiert und zu Achsen des Bösen stilisiert werden. Wie naiv ist das denn, zu meinen, durch Aufrüstung und Billionen an Ausgaben für Waffen würde es tatsächlich friedlicher auf dieser Erde? Diese Politik folgt einer alten, längst überholten Ideologie.“

Gottes Zeichen in unserer Zeit zu erkennen, sie im Licht der biblischen Botschaft zu deuten und entsprechend zu handeln – das sei stets unsere dringende Aufgabe – als Christen, als Kirche, als pax christi-Bewegung. Dass diese Zeichen der Zeit aktuell in Richtung eines gerechten Friedens, einer Ablehnung von Krieg und Gewalt – in Richtung von Solidarität mit den Entrechteten, von sozialer Gerechtigkeit, von Bewahrung und Pflege der Schöpfung sehr deutlich hinweisen, stehe ganz gewiss außer Frage.

Am Ende der Predigt forderte Borg-Manché die Anwesenden auf gemeinsam und wagemutig mit kleineren oder größeren Schritten in die Richtung einer Friedensvision zu gehen.

Viele Besucher des Gottesdienstes nutzen im Anschluss die Möglichkeit die Bundesregierung mit ihrer Unterschrift unter eine entsprechende Petition aufzufordern dem Atomwaffenverbot der UNO beizutreten. Gleichzeitig konnten sie die Namen derjenigen Länder, die dieses Verbot schon unterschrieben bzw. ratifiziert hatten, als Strahlen um einen Strauß Sonnenblumen legen, um den Atommächten ein hoffnungsvolles Bild entgegenzusetzen.

Am Tag des Atombombenabwurfes auf Hiroshima fand die Gedenkveranstaltung am Gilchinger Friedenspfahl statt. Unterstützt wurde das Gedenken vom Vokalensemble CantaVita.

Die Anwesenden erinnerten mit Kerzen an die ihnen am Herzen liegenden Konflikte in der Welt. Erinnert wurde auch an den Russen Stanislaw Petrow, der im letzten Jahr starb und der 1983 im geheimen Raketen-Frühwarnzentrum Serpuchow-15 den Gegenschlag nicht ausgelöst hatte, nachdem, wie sich später zeigte, das russische Frühwarnsystem fälschlicherweise einen Angriff angezeigt hatte.

Pfarrer Greim las die Worte der Bergpredigt und erinnerte an die Jahreslosung des kommenden Jahres: „Suche den Frieden und jage ihm nach“.

Und schließlich wurde mit dem Gedicht von Dorothe Sölle daran erinnert, dass es fast immer nicht nur Schwarz und Weiß, sondern in den allermeisten Fällen einen dritten Weg gibt, dem Frieden näher zu kommen.

Am Ende zogen viele der Anwesenden weiter auf den Gilchinger Marktplatz um dort auf den Wasserläufen bunte Kerzen schwimmen zu lassen. Sie sollten an die Menschen in Hiroshima erinnern, die Kühlung vor der Hitze der Atombombenexplosion im Wasser gesucht hatten. 

 

Die Predigt von Charles Borg-Manche als mp3  und pdf im Downloadbereich.
Eindrücke vom Gedenken auf youtube.

 

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